Der W Solo
Die Böhsen Onkelz haben ihren verdienten Platz in den Geschichtsbüchern der deutschsprachigen Musik – und nicht nur da – eingenommen. Nach dem Ende einer der erfolgreichsten Rockbands, die dieses Land je hervorgebracht hat, kommt für alle Beteiligten das Leben danach. Und wenn post mortem etwas gestartet werden soll, dann erhofft man sich den Rückenwind aus seinem kreativen Vorleben. Und setzt auf die sichere Karte! Oder? Was wäre nahe liegender gewesen, als die Erfolgsgeschichte musikalisch einfach fortzuschreiben? Doch Weidner ist jetzt „Der W“, und hat bewusst darauf verzichtet, mit der eigenen Vergangenheit allzu schamlos Pingpong zu spielen, und ergeht sich nicht in Selbstzitaten. Stattdessen präsentiert er solo eine Bandbreite, die von minimalistisch-experimentell („Pass gut auf dich auf“), bis vertrackt-rockig („Liebesbrief“) reicht. Dazwischen stehen „Bitte töte mich“, – ein Duett, für das Stephan sich die Berlinerin Nina C. Alice (Skew Siskin) an die Seite geholt hat – und das mit Hilfe diverser Streicher opulent in Szene gesetzte „Asche zu Asche“, sein Abschiedslied an die lauernden Schatten seines musikalischen Vorlebens.
Auch wenn „Schneller, höher, Weidner“ keine Fortsetzung der jüngeren Onkelz-Werke ist, werden sich deren Liebhaber auch in Weidners erstem Solo-Opus wiederfinden. Songs wie die Singleauskopplung „Geschichtenhasser“, „Der W zwo drei“ oder „Stille Tage im Klischee“ hätten problemlos auf „Dopamin“ oder „Adios“, den letzten beiden Studioalben der Onkelz, Unterschlupf finden können. Das Solo-Debüt des Frankfurters präsentiert in 14 Stücken einen mutigen Rundumschlag, textlich ist die Feder des Künstlers gewohnt spitz. Weidner geht immer noch kritisch durch die Welt und thematisiert seine Beobachtungen. Eine kleine Themenauswahl: Angst, das tägliche Scheitern und seine Konsequenzen und allerhand Persönliches. Ballast, der runter musste von den Schultern. Hallo Welt, hier kommt „Der W“!
www.der-w.dewww.w-zwo-drei.de
www.myspace.com/stephanweidner